Roland (Seiter), Marduk (Buscher) und Willi (Käfer) waren dieser Tage bei herrlichstem Herbstwetter unterhalb der Schwarzwaldhochstraße und entlang der Badischen Weinstraße unterwegs.

Marduk Buscher war im Frühsommer der Höchstbietende bei der Versteigerung „ungewöhnlicher Gelegenheiten“ durch die Bürgerstiftung Baden-Baden für eine Rundfahrt mit einem VW „Käfer“ aus dem Jahre 1955.
Stifter Roland Seiter, gerade vor der Pensionierung stehender Pressesprecher der Stadt, stellte dazu großzügig seine Zeit und sein Fahrzeug zur Verfügung. „Willi“ war somit deutlich
der Älteste in diesem Triumvirat. Noch mit seitlichen „Winkern“ in den Türholmen ausgestattet, mit sechs Volt elektrifiziert und mit 30 PS aus 1200 ccm „beschleunigt“, hatte er schon Vieles gesehen von der Welt, bis er vor 24 Jahren in den Besitz seines jetzigen Eigentümers kam. Ganze sechs Jahre ließ er sich auseinander- und wieder zusammenbauen, um nach bestandener Revision mit einem neuen Lackkleid belohnt zu werden.

Verblüffend viel Platz bietet der zu seiner Bauzeit als Mittelklassewagen geltende Zweitürer.
Neben dem Kofferraum unter der Fronthaube befindet sich noch ein überraschend großer Stauraum hinter den Hintersitzen. Fünf erwachsene Personen konnten so selbst über die Alpen tuckern, wenn man wollte.
Der luftgekühlte Vierzylindermotor, knapp vor der hinteren Stoßstange, entwickelt bei solchen Touren dann allerdings tüchtig Wärme. Und er muss gelegentlich auch mal in den ersten Gang
zurückgeschaltet werden, wozu das Fahrzeug allerdings kurz angehalten werden muss, weil der erste und zweite Gang nicht synchronisiert sind.

Dass diese Legende der Wahrheit entspricht, konnte Beifahrer Buscher staunend erleben, während es über 90 Kilometer entlang kleinster Sträßchen rund um Seiters Geburtsort Kappelwindeck in den Schwarzwald hinauf geht. Der Käfer läuft und läuft und läuft, … wie es seinerzeit ja der Werbespruch von Volkswagen versprach. Zum Glück verfügt „Willi“ über ein Faltdach, denn die überschüssige Motorwärme, die beim Verbrennen von 6,5 bis 7 Litern Normalbenzin auf 100 Kilometern entsteht, muss bei solchen Strapazen durch die
Heizungs-Schlitze unter der Frontscheibe abgelassen werden, was bei einer geschlossenen Karosserie im Sommer sicher zu größeren Flüssigkeitsverlusten bei den Passagieren
beigetragen haben dürfte.

Auch dieses Mal kehrten die beiden Insassen deshalb zu einem Schoppen im „Knusperhäuschen“ in Sasbachwalden ein, und beschlossen ihren wilden Ritt mit dem intensiven Austausch von Erinnerungen an die Vor- und Nachteile früherer Motorisierungen.

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